Der Radikale Konstruktivismus in der praktischen Anwendung

Radikaler Konstruktivismus, Realitätsforschung, Schauspiel und Friedensforschung

 

Im heutigen Kommunikationszeitalter hat die Kommunikationsforschung einen hohen Stellenwert. Deshalb gehören die Erkenntnisse des Radikalen Konstruktivismus heraus aus der theoretischen Nische der Philosophie und hinein ins Handeln der Menschen!

 

Paul Watzlawick schreibt in seinem Buch „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“:
„Dieses Buch handelt davon, dass die sogenannte Wirklichkeit das Ergebnis von Kommunikation ist. Diese These scheint den Wagen vor das Pferd zu spannen, denn die Wirklichkeit ist doch offensichtlich das, was wirklich der Fall ist, und Kommunikation nur die Art und Weise, sie zu beschreiben und mitzuteilen.

Es soll gezeigt werden, dass dies nicht so ist; dass das wacklige Gerüst unserer Alltagsauffassungen der Wirklichkeit im eigentlichen Sinne wahnhaft ist, und dass wir fortwährend mit seinem Flicken und Abstützen beschäftigt sind – selbst auf die erhebliche Gefahr hin, Tatsachen verdrehen zu müssen, damit sie unserer Wirklichkeitsauffassung nicht widersprechen, statt umgekehrt unsere Weltschau den unleugbaren Gegebenheiten anzupassen.

Es soll ferner gezeigt werden, dass der Glaube, es gäbe nur eine Wirklichkeit, die gefährlichste all dieser Selbsttäuschungen ist; dass es vielmehr zahllose Wirklichkeitsauffassungen gibt, die sehr widersprüchlich sein können, die alle das Ergebnis von Kommunikation und nicht der Widerschein ewiger, objektiver Wahrheiten sind...
Wie wir sehen, wird die erfundene Wirklichkeit zur wirklichen Wirklichkeit nur dann, wenn die Erfindung geglaubt wird. Wo das Element des Glaubens fehlt, bleibt sie wirkungslos. Mit dem Verständnis der sich selbst erfüllenden Prophezeiung wächst auch unsere Fähigkeit, sie zu...“  durchschauen und zu nutzen.

Soziopod - MP3 Podcast über den Konstruktivismus - downloadbar

"Bleep"   Wie funktioniert Realität - Dokumentarfilm 

Aufklärung 2.0
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Wir erzeugen unsere Welt, wir entdecken sie nicht. Die Konstruktionen, die wir von der Welt und uns errichten, beherrschen uns! Dies geht weit über den sozialen Bereich hinaus. Wir können uns durch unsere eigenen Ideen zu Sklaven und Spielverderbern machen und wir tun dies. Es geht darum, den festgefahrenen, eingeschränkten Wahrheits- und Wirklichkeitsraum zu erweitern und der Versuchung des Möglichen nachzugeben!

Was ist also Wirklichkeit? Wirklichkeit ist Gemeinschaft. Dinge sind erst dann real, wenn sich eine Gemeinschaft von Menschen darauf geeinigt hat. Was in uns wahrnimmt und denkt, ist also gar nicht ein freies und objektives Ich, sondern die soziale Gemeinschaft und teils archaische oder sture Kultur, der wir angehören. Wenn sich also eine Gemeinschaft auf ein anderes Wirklichkeitssystem mit anderen Spielregeln, auf eine andere Perspektive einigen würde, dann wird auch dieses wirklich und wahr.

Eine wirklich unglaubliche These. Doch das glauben und behaupten nicht nur merkwürdige Autoren und Philosophen, sondern auch „anständige“ Naturwissenschaftler wie Psychologen, Pädagogen, Kybernetiker und Neurobiologen.

"Unser bewusstes Wirklichkeitsmodell ist eine niedrigdimensionale Projektion der unvorstellbar reicheren physikalischen Wirklichkeit, die uns umgibt"
Thomas Metzinger/Neuroethik (1)

Die Fakten über irrtümliche Wahrheiten, die der Konstruktivismus offen legt, sind dem Mainstream bisher leider unbekannt. Dies ist bei der Wichtigkeit dieses Themas, das jeden Menschen und sein Selbstbild fundamental betrifft, ein schwerwiegender Mangel, den es zu beheben gilt! Den Blick meist fest in den Rückspiegel gerichtet, übersehen wir fast vollständig die neuen Möglichkeiten und Wege, die wir nehmen könnten.

Der Radikale Konstruktivismus erschließt heute praktische Möglichkeiten in der Friedensforschung, Sozialforschung, systemischen Therapie, Pädagogik und Psychologie. Die Zukunft des Radikalen Konstruktivismus liegt in der interdisziplinären Zusammenarbeit und in der praktischen Anwendung!

Der Radikale Konstruktivismus beweist, dass unserer kommunikativen Wirklichkeit der Kern der Wahrheit fehlt. Ist dies nicht einem ungedeckten Scheck vergleichbar, der nur deshalb gültig ist, weil wir kollektiv daran glauben? Nennt man eine solche Art von Weltbild-Inszenierung, die real ist, obwohl der Kern von Wahrheit fehlt, nicht ein Schauspiel, ein Welttheater? Und wenn Realität, aus dieser interessanten Perspektive betrachtet, Schauspiel ist, wäre dann nicht im Umkehrschluss Schauspiel Realität? Bestimmt nicht lediglich eine gesellschaftliche Abmachung was Ernst und was Spiel ist? Könnten wir diese Abmachung nicht alle zusammen nun bewusst und willentlich ausführen, ähnlich wie es der Schauspieler macht, wenn er frei auf der Bühne Realität inszeniert? Würden wir wie Alice im Wunderland erkennen, dass der Film den wir anstarren kein Film, sondern ein Spiegel ist? Könnten wir den Autopiloten unserer Geschichte abschalten und würden erkennen, dass unser Zug ein Lenkrad hat und dass die Gleise vor uns nur projiziert sind? Bekämen wir damit plötzlich sehr einfach die Praxis zu einer neuen Dimension der Möglichkeiten?


Philosophie an die Macht und Kunst an die Macht (1)

Viele Leute haben manchmal die Wahrnehmung, als ob sie Schauspieler wären, die ihr Leben, oder Teile davon inszenieren. Der Soziologe Erving Goffmann beschreibt dieses Phänomen in dem Buch: "Wir alle spielen Theater". Wenn uns (zum Beispiel auch durch Videoaufnahmen mit Smartphones) unsere Selbstinszenierung wirklich bewusst wird und der Radikale Konstruktivismus bekannt ist, dann steht es offen, dass wir alle zu Künstlern und potenziellen Regisseuren unserer Möglichkeiten und Wünsche werden. Wirklichkeit "a la Carte" ist möglich, wenn eine ganze Gruppe, ein ganzes System mitspielt. (Hierzu passt, dass die Systemische Sozialarbeit neuerdings konstruktivistische Elemente in die Sozialarbeit integriert.)

Das Gedankenmodell des Radikalen Konstruktivismus und die praktischen Methoden des hochwertigen Schauspielunterrichts passen ideal zusammen und eröffnen einen völlig neuen Weg des menschlichen Handelns und der menschlichen Selbstwahrnehmung.

Hierzu möchten wir einen radikalen Schritt wagen und im interdisziplinären Modell-Projekt RealTheater zeigen, dass willentlich konstruierte Realität zur realen Realität werden kann. So können wir z. B. mit "Best-Case Simulationen" neue Wirklichkeiten erschaffen.

„Schauspiel ist die Fähigkeit, absolute Realität auf der Bühne zu erzeugen“ Lee Strasberg (1)

Gutes Theater mit konstruktivistischen Augen gesehen ist nicht nur realistisch, es ist real! Theaterpädagogik in guter Qualität ist eine Kunst, die unter bestimmten Umständen reale soziale Wirklichkeit konstruieren kann.

Es gibt den Konstruktivismus erst seit ca. 40 Jahren, und die Anfänge der methodischen Schauspielschulung seit etwa 100 Jahren. Eine Kombination dieser beiden Bereiche gab es noch nie! Viele Möglichkeiten, die daraus entstehen, wurden noch nie praktisch erforscht. Die Zusammenfügung des (meist nur Philosophen bekannten) Radikalen Konstruktivismus und der (nur Schauspiel-Insidern bekannten) praktischen Schauspielkunst ist ein Novum. Damit könnte sogar ein Ausstieg aus der kausalen Realität und der machbare Einstieg in eine nun selbst konstruierte, dynamische und ästhetische Realität möglich sein. Der Realität ist es egal, ob sie wie bisher historisch und kausal konstruiert wird, oder ob sie kreativ und frei konstruiert wird. Beides ist möglich!

„Der Großteil unserer institutionalisierten Erziehungsbemühungen hat zum Ziel, unsere Kinder zu trivialisieren. (…) Da unser Erziehungssystem daraufhin angelegt ist, berechenbare Staatsbürger zu erzeugen, besteht sein Zweck darin, alle jene ärgerlichen inneren Zustände auszuschalten, die Unberechenbarkeit und Kreativität ermöglichen. Dies zeigt sich am deutlichsten in unserer Methode des Prüfens, die nur Fragen zuläßt, auf die die Antworten bereits bekannt oder definiert sind, und die folglich vom Schüler auswendig gelernt werden müssen."
Heinz von Foerster (1)
 

Orientierung/Gliederung:

Projekt RealTheater:
1.
RealTheater - Konkrete Utopie - Experimentelle Friedensforschung
2.  Grundlagen: Philosophie - Kommunikationsforschung - Konstruktivismus
3.  Grundlagen: Künstlerischer Hintergrund - Schauspiel Know-how
4.  RealTheater & Klartraum (Regieführung in den eigenen Träumen)
5.  RealTheater & Liebesforschung: Kunst, Kultur und Wissenschaft der Liebe
6.  RealTheater & Liebesforschung: Liebe & Sex in einer Zukunftsgesellschaft
7. 
 Projekt RealTheater - Ausführliche Informationen über das Pilotprojekt

Friedensforschung 2.0
1.  Wir benötigen eine Mobilmachung der Friedensforschung
2.  Lösung für den Streit der Standpunkte: Polykontexturale Logik
3.  Das Kommunikationszeitalter benötigt eine neue Streitkultur
4 . Was ist "Struktureller Friede" und "Strukturelle Demokratie"

5.  Friedensarchitektur & Friedenstechnik - Europa braucht eine Friedensstadt!
6.  United World Project - Vom Ich zum Wir - Wir sollten vom Ziel her denken
7.
  Friedensforschungs TV - Neue Friedensideen erfordern eine Medienpräsenz

 

 

 

   

Wir Alle sind Schauspieler! Der Planet ist eine Kugelbühne!

Jeder von uns hat als Kind Schauspiel praktiziert. Dies ist nur den meisten Erwachsenen nicht mehr bewusst.
Um dem Laien eine verständliche und fühlbare Einführung in die Schauspielkunst zu bieten, sind normalerweise zumindest ein paar Stunden in Theorie und einige Tage in der Praxis nötig. Dennoch hier nun einige Grundsätze zur Schauspiel-Theorie und Methodik:

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Text: Neo von Terra  alias Hans Mack  (1)   2012
Der Autor dieser Seite ist freischaffender Künstler und arbeitet als Friedensaktivist, Kabarettist und Schauspiellehrer

Wir freuen uns über Unterstützung oder Mitarbeit! (1)

Bild oben - Original: M.C. Escher/Färbung und Collage: Neo von Terra;   Foto mit Handpuppen und Foto "Fliegender Planet": Neo von Terra